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Katholisches Sonntagsblatt 12-2016


 

Foto: Büttner / ZVWFoto: Büttner / ZVW

Waiblingen


Austellung: Liebevoll gemachte Krippen
Jutta Pöschko-Kopp, 04.12.2015 00:00 Uhr
Foto: Büttner / ZVW

Waiblingen. Josef, der Maria liebevoll im Arm hält; das Jesuskind mit feinem Gesichtchen in der Krippe; Hirten mit kantigen Zügen, einen Hirtenstab in der Hand oder ein Fell unter dem Arm: Die Krippenfiguren des Franz Wimmer erzählen vom Heiligen Abend, als seien sie selbst der Weihnachtsgeschichte entsprungen. Die Kunstfertigkeit und die Religiosität ihres Schöpfers: In diesen Figuren verbinden sie sich. Am Samstag beginnt seine Weihnachtskrippenausstellung.

Als gelernter Schreinermeister ist der Österreicher Franz Wimmer ein geschickter Handwerker. Mit seinen Händen kann er umgehen, das Alt- und Wurzelholz für seine Krippen entdeckt er mit geübtem Blick bei Wanderungen und Spaziergängen. Franz Wimmer ist aber auch gläubiger Katholik. Und als bekennender Christ hat er eine Botschaft. „Ich will christliche Werte beachten und das Brauchtum weitergeben“, sagt der 76-jährige Wahl-Waiblinger.

Die ersten Figuren entstanden vor 50 Jahren

Mit einer Krippe ist er in seiner Heimat in Niederösterreich aufgewachsen. Die Krippe mit Josef und Maria und allen anderen Figuren machte und macht für ihn auch ein Stück Weihnachten aus. Figuren aus Holz, Modelliermasse und Wachs fertigte er schon vor mehr als 50 Jahren an, an seiner ersten Krippe schaffte er ganze 30 Jahre. Immer wieder kamen neue Figuren dazu, heute lagert die 1,80 Meter breite und ein Meter hohe Weihnachtskrippe das Jahr über bei Wimmers zu Hause auf dem Dachboden. Erst an Weihnachten wird sie aufgebaut.

Mit Weihnachtskrippen hat sich Franz Wimmer fast immer beschäftigt, doch erst seit er im Ruhestand ist, hat er die Zeit, intensiv daran zu arbeiten. Die Wurzeln und die Holzreste, die er beim Spazierengehen in der Umgebung entdeckt, werden hochdruckgereinigt, gebürstet und mit Bio-Holzschutz oder Leinöl behandelt.

Erst vor ein paar Jahren lernte er bei einer alten Dame den behutsamen Umgang mit Ton und das Formen der Figuren. Inzwischen entstehen unter seinen Händen neben Josef und Maria, Ochs und Esel auch aus dem Alltag gegriffene Gestalten: Musiker, Handwerker und Clowns zum Beispiel oder ein Koch, bei dem es sich ganz eindeutig um den Stuttgarter Sternekoch Vincent Klink handelt. Mit Ton und seinen kunstfertigen Fingern gelingt es Franz Wimmer, ganz erstaunliche Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen in die Gesichter zu zaubern. „Bei solchen Bestellungen mache ich zuvor ein Foto“, erklärt er. Das Umsetzen fällt ihm dann leicht. Ansonsten kommen ihm die Ideen bei der Arbeit. „Ein Konzept habe ich nicht.“

Seine Figuren lässt er im Brennofen der Familienbildungsstätte brennen, wo er auch Kurse anbietet. Zweimal werden die Figuren gebrannt, erst bei 900, dann bei 1100 Grad, beschreibt er das Prozedere. Und noch immer sei die Spannung groß, wenn der Ofen aufgeht: „Wie sieht die Glasur aus?“ Wobei er im Laufe der Jahre experimentierfreudiger geworden sei: „Ich werde risikobereiter, mische Glasuren.“ Erst zwei Figuren seien ihm in all der Zeit kaputtgegangen. Kraft und eine ruhige Hand braucht Franz Wimmer für das Tonen und Brennen allemal. Und natürlich eine Unmenge Schaffenskraft. Für beides, sagt er, sei er dem Herrgott dankbar.

Rund 350 Krippenfiguren, Handwerker, Musikanten und andere Gesellen hat er im Laufe der Zeit geformt. Unmöglich, sie alle in seiner Wohnung zu behalten. Auch deshalb ist er dazu übergegangen, sie zu verkaufen oder auf Bestellung anzufertigen. Vor zwei Jahren sei eine Ausstellung in Winnenden ein Supererfolg gewesen, erzählt Wimmer.

Etwa 14 Weihnachtskrippen und fast 100 Figuren sind bei seiner Weihnachtskrippenausstellung im ökumenischen Gemeindezentrum auf der Korber Höhe zu sehen. Das Problem sei, für die Weihnachtskrippen einen passenden Raum zu finden. Im Schlosskeller bei Art-verwandt, das passt nicht, findet er. So schön diese auch sei: „Es muss eine gewisse Besinnlichkeit da sein, das gehört bei Weihnachtskrippen dazu.“

Quelle: ZVW Waiblinger Kreiszeitung :: Zeitungsverlag GmbH & Co Waiblingen KG 

 


 

 

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Der Krippen-Baumeister
Andreas Kölbl, 20.12.2011 17:17 Uhr
Foto: ZVW

Waiblingen. Massenware aus dem Kaufhaus hat bei Franz Wimmer keine Chance. Die Weihnachtskrippen, die der 72-Jährige aus Ton und Naturholz baut, sind allesamt Unikate. Wer genau hinguckt, sieht in den lebensechten Gesten der Figuren, mit wie viel Liebe und Geschick sie geformt wurden. Ja, sie atmen. Wenn nicht Luft, so doch den den Geist der Weihnacht.

 

Behutsam, als wär’s ein kleines Menschlein, hält Franz Wimmer die feucht glänzende Lehmfigur in seinen kräftigen Händen. Noch ist sie ein Torso, doch die Arme hat der Krippenbauer schon vorbereitet. Mit ruhiger Bewegung passt er sie millimetergenau in die dafür vorgesehenen Öffnungen unter den Schultern, drückt ein paar Mal zart mit den Fingerspitzen auf den butterweichen Rumpf und verstreicht die Unebenheiten und Lehmränder, bis sich die neuen Gliedmaßen vollkommen organisch an den Körper fügen. Haltung, Gestik, Gesichtsausdruck – alles wirkt erstaunlich echt. Als würde nur noch ein magischer Hauch fehlen, um die Puppe zum Leben zu erwecken.

Eigentlich ist der Waiblinger Franz Wimmer Schreinermeister. Wer seine Figuren sieht, kann kaum glauben, dass er erst seit drei Jahren mit Ton arbeitet. Bei einer Krippenaussstellung im Schlosskeller lernte er damals eine 83-jährige Dame von der Korber Höhe kennen, die ihn fürs Tonen begeisterte und ihm das nötige Handwerkszeug beibrachte. Wie viel Dankbarkeit er heute für diese künstlerische Horizonterweiterung empfindet, braucht nicht extra erwähnt zu werden. Die rund 100 Figuren, die er in diesen drei Jahren geschaffen hat, sprechen eine klare Sprache.

Seine erste Krippe baute er vor 60 Jahren

Krippen hat er schon er als zwölfjähriger Bub gebaut. Damals schnitzte er sie noch als Holz. Auf dem Wimmerschen Dachboden lagert eine mächtige Krippe, die alle Jahre wieder zu Weihnachten im Wohnzimmer aufgstellt wird und deren Figuren 1,20 Meter messen. Selbstredend stammt das gute Stück von der Marke Eigenbau. Seine Wertschätzung für dieses Material schlägt sich auch in seinen heutigen Krippen nieder. Denn das Dach über dem Stall von Betlehem besteht bei einigen aus bizarr geformten, stark verwitterten Fundstücken aus dem Wald. Wimmer säubert sie, lässt ihnen aber ihre natürliche Form. Weil er sie nicht mit Chemikalien behandelt, verströmen sie immer noch einen wunderbar dezenten Duft von Harz, der feinfühlige Betrachter mit ausgeprägtem Geruchssinn direkt in den Forst zu katapultieren vermag.

Wenn die Figuren fertig geformt sind, werden sie das erste Mal gebrannt: bei 800 Grad. Der Krippenbauer hat aus den Hausgärten darf einen Brennofen im Gemeindehaus auf der Korber Höhe nutzen, der sonst der dortigen Porzellanmalerei-Gruppe dient. Nach dem ersten Brennvorgang hat sich die Farbe der vormals ockergelben Figuren in ein Terrakotta ähnliches Rot verwandelt. Damit ist sie erstmal nur halbfertig, wobei Wimmer auch Figuren aus rohem Ton verkauft. Meist kommt noch die Farbe drauf, was sich einfach anhört, kolorierungstechnisch jedoch einen entscheidenden Haken hat: Beim Bemalen stellt sich die Farbe anders dar, als sie nach dem Brennen tatsächlich aus dem Ofen kommt. Deshalb hat sich der Hobbykünstler eigens eine Farbpalette zusammengestellt, um sich für die jeweils geeignet Farbe oder Farbmischung zu entscheiden. Ist die Figur rund herum koloriert, muss sie ein zweites Mal in den Schwitzkasten: diesmal bei 1200 Grad. Bei dieser Gluthitze verschmelzen die Mineralien der Farbe mit der obersten Tonschicht, das heißt, die Farbe ist der Figur für alle Zeiten quasi eintätowiert.

Ganze Dorfbevölkerungen sind auf diese Weise schon entstanden. Mit Vorliebe angelehnt an Wimmers Heimat beim Poysdorf im österreichischen Weinviertel. Milchfrauen, Holzfäller, eine Feuerwerkappelle. Die Gesichtszüge eines Imkers gleichen jenen eines persönlichen Bekannten, verrät der Figurenschöpfer. Und natürlich darf bei alle diesem Personal auch ein Schreiner nicht fehlen, standesgemäß mit Meterstab in der Hand und Bleistift hinterm Ohr.

Der Weg vom Schreinern zum Tonen ist gar nicht so weit, meint Franz Wimmer. Das Gefühl für Proportionierung, die Kreativität, das gestalterische und zeichnerische Talent ist dem gebürtigen Österreicher in die Wiege gelegt worden. Gerne bereitet er anderen mit diesen Gaben eine Freude, gerne würde er die Fertigkeiten des Krippenbaus auch andere Interessierte weitergeben. Zwar verkauft er die fertigen Stücke, nicht zuletzt, um auf seine Kosten für das Herstellungsmaterial zu kommen. Kommerziell jedoch mag er die Sache nicht angehen, das Ideelle liege ihm mehr am Herzen, sagt der gläubige Katholik. „Ich möchte christliche Werte vermitteln. Weihnachten besteht schließlich nicht nur aus Glühwein, Rummel und Gegröle.“

Quelle: ZVW Waiblinger Kreiszeitung :: Zeitungsverlag GmbH & Co Waiblingen KG